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O, schaffet Schweigen!!

Betrachtet man - wozu man vom christlichen Standpunkt aus gewiß berechtigt ist - den jetzigen Zustand der Welt und das ganze leben, so müsste man sagen. Es ist eine Krankheit.

Wenn ich ein Arzt wäre und mich einer fragte: "Was meinst du, muß getan werden?", so würde ich antworten: "Das erste, was getan werden muß, und die unbedingte Voraussetzung dazu, dass überhaupt etwas getan werden kann, ist -: schaffe Schweigen! Gebiete Schweigen! Gottes Wort kann ja nicht gehört werden, und wenn es mit Hilfe lärmender Mittel geräuschvoll hinausgerufen wird, damit man es auch im Getöse hören kann, so bleibt es nicht Gottes Wort. Schaffe Schweigen!! Ach, alles lärmt, und wie heißes Getränk das Blut bekanntlich in Wallung bringt, so ist in unserer Zeit jenes einzelne, selbst das unbedeutendste unternehmen und jede einzelne, selbst die nichtssagendste Mitteilung bloß darauf berechnet, die Sinne zu reizen oder die Masse, die Menge, das Publikum und den Lärm zu erregen!

Der Mensch, dieser gewitzigte Kopf, sinnt fast Tag und Nacht darüber nach, wie er zur Verstärkung des Lärms immer neue Mittel erfinden und mit größtmöglicher Hast das Geräusch und das leere Gerede möglichst überallhin verbreiten kann. Ja, was man auf solche weise erreicht, ist wohl bald das Umgekehrte: die Mitteilung ist an Bedeutungsfülle wohl bald auf den niedrigsten Stand gebracht, und gleichzeitig haben umgekehrt die Mittel der Mitteilung in Richtung auf eilige und alles überflutende Ausbreitung wohl das Höchstmaß erreicht, denn was wird wohl hastiger in Umlauf gebracht als das Geschwätz?! Und anderseits -: was findet willigere Aufnahme als das Geschwätz?! - O, schaffet Schweigen!!"


"Selbstprüfung"



Über wahres Leben

Viele Menschen kommen zu einem Lebensresultat wie Schulbuben; sie beschwindeln ihren Lehrer, indem sie das Ergebnis aus dem Rechenbuch abschreiben, ohne die Aufgabe selbst gerechnet zu haben.

"Tagebuch"



Über schlechte Schüler

Mit jedem Schritt streift die Philosophie eine Haut von sich, und schlüpfen die schlechteren Anhänger hinein.

"Tagebuch"