Hans Broechner: Erinnerungen an Soeren Kierkegaard

 

Die vorliegenden "Erinnerungen an Sören Kierkegaard" nehmen als die umfangreichsten wie gehaltvollsten ihrer Art eine Sonderstellung ein. Erfrischend unprätentiös fangen die fünfzig Miniaturen mit prägnaten Strichen das Wesentliche ein. Voller Sympathie für Kierkegaard vermittelt Brochner ein ganz unstilisiertes Bild des Philosophen. Brochner, der nicht nur über zwanzig Jahre im persönlichen Umgang mit Kierkegaard stand, sondern auch seine Schriften genau kannte, vermag manch eine Alltagsbeobachtung mitzuteilen, die einem weniger belesenen Begleiter Kierkegaards notwendig hätte entgehen müssen. Dabei beweist Brochner, frei von jener primitiven Freude, die man die diebische nennt und die Kleingeister so gern zeigen, wenn sie an einem Größeren etwas Kommensurables entdecken, ein feines Gespür für amüsante Details. So wünscht man sich bei der Hostrup-Episode, als "Soren Kirk" auf der Bühne mit sich selbst disputierte, unweigerlich, Kierkegaard hätte es Sokrates im Angesichtseines Ebenbildes in den Aristophanischen "Wolken" gleichgetan und sich im Theater erhoben, statt im Stillen zu grollen.