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Søren Kierkegaard - Biographie


1854

Am 30. Januar stirbt Bischof Mynster.

Am 1. März schreibt Kierkegaard: "Nun ist er tot. Wenn man ihn hätte bewegen können, sein Leben mit dem Zugeständnis an das Christentum zu enden, daß das, was er repräsentierte, eigentlich kein Christentum war, sondern (dessen) gemilderte Form, so wäre dies sehr wüschenswert gewesen, denn er trug eine ganze Mitwelt...Von der Zeit, da ein verborgenes Mißverstehen zwischen uns entstand, war es mein Wunsch, daß es da zumindestet mir glücken müßte zu vermeiden, ihn zu seinen Lebzeiten anzugreifen; ich dachte daran, daß ich womöglich selbst sterben könnte..."

Am 18. Dezember beginnt Kierkegaards Angriff "War Bischof Mynster ein Wahrheitszeuge?"


1855

Zeichnung von Kierkegaard Kierkegaard gibt die erste Nummer des Flugblattes "Der Augenblick" heraus. Insgesamt erscheinen zehn Nummern.


Am 2. Oktober hat Kierkegaard einen Schlaganfall und er bricht auf der Straße zusammen. Er wird ins Krankenhaus gebracht, doch seine Kräfte sind erschöpft.

Im Krankenjournal des Frederiks-Hospitals steht am Tage seiner Einlieferung:

"...Er sieht die Krankheit für tödlich an. Sein Tod ist notwendig für die Sache, an die er seine ganze Geisteskraft gewendet hat, für welche er alleine bestimmt ist; daher das scharfe Denken in Verbindung mit einem so schwächlichen Körper. Würde er leben, müßte er seinen religiösen Kampf fortsetzen, aber dieser wird sich totlaufen, wogegen der Kampf durch den Tod seine Stärke und, wie er glaubt, den Sieg behalten wird."

Am 11. November stirbt er, zweiundvierzig Jahre alt.

Er lehnte es ab, von einem Geistlichen das Abendmahl zu empfangen. Aber er bat seinen Freund Boesen, alle Menschen zu grüßen, die er sehr geliebt habe und die sein Leiden und Leben nie hätten begreifen können.


Die letzte Eintragung in seinem Tagebuch vom 25. September 1855, knapp zwei Wochen vor dem Zusammenbruch, lautet:

"Die Bestimmung dieses Lebens christlich. Die Bestimmung dieses Lebens ist: zum höchsten Grad von Lebensüberdruß gebracht zu werden. Derjenige, der, also zu diesem Punkt gebracht, festhalten kann, oder derjenige, dem Gott dazu verhilft, festhalten zu können, dass es Gott ist, der ihn aus Liebe zu diesem Punkt gebracht hat, er macht, christlich, die Prüfung des Lebens, ist für die Ewigkeit reif. Durch ein Verbrechen bin ich entstanden, ich bin entstanden gegen Gottes Willen. Die Schuld, die jedoch in einem Sinne nicht die meine ist, wenn sie mich auch in Gottes Augen zum Verbrecher macht, ist: Leben zu geben. Die Strafe entspricht der Schuld: aller Lust zum Leben beraubt zu werden, zum höchsten Grad von Lebensüberdruß gebracht zu werden."


Am 18. November wird er begraben. Sein Grab befindet sich auf dem Assistens-Kirkegård-Friedhof. Auf dem Grabstein steht:


"Det er en Liden Tid

Saa har jeg vundet

Saa er den ganske Strid

Med eet forsvundet . . ."




Verfasser: Jens Dechering